Kunstbibliothek / Lipperheidesche Kostümbibliothek

Die Bibliotheken der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz betreiben einen gemeinsamen OPAC und sind auch ansonsten vielfältig miteinander vernetzt. Eine zentrale Position nimmt dabei die von Kunsthistorikern, Mode- und Designinteressierten stark frequentierte Kunstbibliothek ein, die seit Beginn der 90er Jahre am Kulturforum untergebracht ist..

duerers

Eine wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Kulturgeschichte der Kleidung ist die eine Etage höher gelegene Lipperheidesche Kostümbibliothek, die dem preußischen Staat 1899 von dem Berliner Verleger und Sammler Franz von Lipperheide gestiftet und der Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums angegliedert wurde.
lipperheim

Für den kleinen Hunger zwischendurch, der nach dem Durchblättern solch dicker Bände historischer Lifestylezeitschriften aufkommt, liegt es erst einmal nahe, das Museumscafe mit Einzugsbereich Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Kunstgewerbemuseum aufzusuchen. Das Vorurteil gegenüber der landläufigen Museumsgastronomie bestätigt sich erneut empirisch – die Angebotstafel offeriert Möchtegern-Haute Cuisine. So etwas kann aus der im Hintergrund erkennbaren Warmhaltevitrine gar nicht schmecken, sondern müsste einzeln frisch zubereitet werden.

museumscafe

Die Preise sind auch nichts für den Arbeitsalltag. Zum Glück gibt es am Kulturforum Alternativen, z.B. das Freiluft-Cafe Estrade

estrade

und die schon im Zusammenhang mit der Stabi West erwähnte weinlaubumrankte Imbissbude, die Ihr Angebot inzwischen mehr in Richtung türkisches Fastfood weiterentwickelt hat.
Beide bleiben aber heute wegen kühlen Temperaturen und rauhem Wind rechts und links liegen und der hungrige Leser steuert eine altbewährte Institution an – die Cafeteria in der Stabi.

stabi

Diese hat wirklich Atmosphäre. Oh möge nie jemand auf den Gedanken kommen, das Wiener Cafehausgestühl durch steriles Lounge-Lederstahlrohr zu ersetzen!!! Ein wirkliches Refugium und schützenswertes Biotop!
Auch kulinarisch hat sich nach dem letzten Pächterwechsel einiges verbessert. Es gibt wechselnde Tagesangebote und sogar eine Abendkarte, die Speisen können in einer Glasvitrine vorher begutachtet werden. Favorit Rühreibrötchen ist zu nachmittäglicher Stunde leider in den Kühlklappen nicht mehr zu finden (Tipp: vor dem Verzehr Raumtemperatur annehmen lassen!). Sei’s drum – Suppe ist ohnehin die bessere Bibliotheksspeise, heute „Spreewälder Gurkensuppe mit Hackklößchen“. Hier verhält sich vermutlich Gurke zu Spreewald wie Ananasscheibe zu Hawaii, ein lausitzer Stabi-Leser aus der Schlange beteuerte jedenfalls, so etwas in seiner Heimat noch nicht gesehen zu haben.

gurkensuppe

Etwas zu süß- aber heiß und wohlschmeckend.
Die vorher so gelobte Atmosphäre wird doppelt reflexiv gebrochen bzw. konterkariert durch das angebotene Plastikbesteck. Ob die Cafeteriabetreiber spontane Suizide der Leser durch Eröffnen der Pulsadern mit Stahlmessern oder Haftung für Amokläufe in den Rara-Lesesaal mit herausgeschmuggelten Alu-Gabeln befürchten oder nur von der allgemeinen Diebstahl-Paranoia der Bibliotheksverwaltung (die sich u.a. in fehlenden Schlüsselnummern an den Spinden äußert) angesteckt wurden? jedenfalls sollten sie sich ein Beispiel am Besteck des TU-Bibliothekscafes nehmen, das hat nämlich WMF-Qualität!

This article was written by leser

In früher Kindheit sah sie den Film "Brust oder Keule" mit Louis de Funès und strebt seitdem eine Laufbahn als Gastrokritikerin an. Die beruflichen Umwege dorthin nutzt sie für Alltagsbeobachtungen in der Mittagspause.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.