Bibliothek der Fachhochschule Potsdam

Obwohl die FHP in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs liegt, ist der Weg dorthin lang und beschwerlich: Durch endlose Weiten eines Einkaufszentrums, über die Laaaange Brücke und eine großräumige Baustelle erreicht man endlich den eigentlich schönen, aber ziemlich heruntergekommenen 70er-Jahre-Bau direkt neben Nikolaikirche und Altem Rathaus.

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Die Bibliothek befindet sich in der zweiten Etage des ebenfalls weitläufigen, labyrinthartigen Gebäudeinneren und beherbergt 500 laufende Zeitschriftentitel und 185 000 Bände so unterschiedlicher Bereiche wie Sozialwesen, Design, Informationswissenschaften (Archiv, Bibliothek, Dokumentation) und Kulturarbeit sowie die Bibliothek des Deutschen Rundfunkarchivs (vormals DFF). Entsprechend unübersichtlich ist derFreihandbestand. Hier kann man die Entwicklung von Signaturetiketten und Signaturen überhaupt studieren, Numerus currens oder diverse Haussystematiken von Kuli auf Gothaplast über Filzstift auf gelbem Lenkerband oder gestanzte blaue Plastikstreifen bis hin zu heute üblichen computerbedruckten EKZ-Produkten ist alles vertreten. Die Webseite der Bibliothek lässt als Zielgruppe Kleinkinder und Analphabeten vermuten, hinter den 2 Türen scheinen sich Starwars-Welten wie Tatooine oder Naboo zu eröffnen, vielleicht bekommt man am Ausleihtresen das passende Lichtschwert.

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Die ausgestrecke Hand mit der Kaffeetasse am linken Bildrand birgt auch schon einen subtilen Hinweis auf die Mensa des Studentenwerks.
In einer Vitrine kann man die preislich gestaffelten Tagesangebote schon einmal betrachten. Meist ist man mit dem billigsten Gericht auf der sicheren Seite – eine Mensa ist schließlich kein Gourmettempel. Auf den Punkt gebratenes Fleisch oder gegartes Gemüse gibt es nur bei Einzelanfertigung. Auch Bratkartoffeln gelingen in Großküchen nicht gut, ihre rötlich-braune Farbe rührt meist nicht von einer Kruste, sondern glutamathaltigem Paprikasalz. Kantinenklassiker wie lose Wurst mit Sauerkraut, Senfeier, Nierenragout, Eintöpfe und Spinat und Ei können hingegen kaum misslingen.
Die Spiegeleier heute gerieten ohne Tadel (das Weiße fest, der Dotter flüssig und unversehrt), der Spinat war etwas schleimig – eher wie Okra – es ließen sich aber noch Blattstrukturen ausmachen und der Geschmack war auch recht authentisch. Lobend hervorzuheben ist, dass das Essen hier schön heiß auf den Teller kommt. Das Wurstgulasch mit Nudeln gestern war geschmacklich o.k., aber insgesamt zu weichgekocht.
Desserts und Salate können auch empfohlen werden, außerdem gibt es hier Nachschlag bei Gemüse und Beilage. Der Service ist weder besonders freundlich noch besonders unfreundlich – Burn-Out aufgrund alltäglicher Massenabfertigung?

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This article was written by leser

In früher Kindheit sah sie den Film "Brust oder Keule" mit Louis de Funès und strebt seitdem eine Laufbahn als Gastrokritikerin an. Die beruflichen Umwege dorthin nutzt sie für Alltagsbeobachtungen in der Mittagspause.

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