Leserhunger

kulinarischer Führer durch Bibliotheken, Archive, Museen weltweit

14. Dezember 2005
von leser
1 Kommentar

Bundesarchiv Lichterfelde

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde auch die Überlieferung des Deutschen Reichs und Bundes und seiner Nachfolge- und Parallelstaatswesen zusammengeführt und auf drei weitere Berliner Standorte verteilt. In der ehemaligen US-Kaserne “Andrews Barracks” in Lichterfelde Weiterlesen →

5. Dezember 2005
von leser
Keine Kommentare

Bibliothek der Freien – Anarchistische Bücherei

Die im verwinkelten 2. Hinterhaus des Hauses der Demokratie und Menschenrechte nicht leicht zu findende Bibliothek sammelt Publikationen und Archivalien zu Theorie und Praxis
des Anarchismus, der Name knüpft programmatisch an den Berliner Kreis der Freien aus der Zeit des Vormärz an. Die Öffnungszeiten sind mit zwei Stunden am Freitagabend recht bescheiden, man kann aber telefonisch eine individuelle Nutzung vereinbaren (werktags zwischen 14 und 16 Uhr unter 313 34 33)
Die Systematik unterscheidet grob 7 Gruppen:
1. Anarchismus allgemein
2. Libertäre A-Z
3. Libertäre Bewegungen (nach Ländern)
4. Umfeldthemen (Herrschaftskritik, Ethnologie, Pädagogik usw.)
5. Aufklärung, Vormärz, Linkshegelianismus, Frühsozialismus
6. Kritik des “Real existierenden Sozialismus”
7. Unkonventionelle Literatur. Anarchismus und Kunst
Besonders bemerkenswert ist der Zeitschriftenbestand.

tribuna

In der Bibliothek finden regelmäßig Veranstaltungen statt, zu denen sich ein illustrer Kreis einfindet. Zum Anarchisten scheinen sich vor allem Männer berufen zu fühlen, man trifft sogar auf männliche Anarcho-Feministen.
Ein Mitbegründer der anarchistischen Bewegung in Italien – Errico Malatesta – gab dem Café im selben Haus seinen Namen. Diese gastronomische Einrichtung hat mit Radeberger vom Fass, einem umfangreichen Imbissangebot, einem unaufgeregten, sympathischen Service und ebensolchem Publikum durchaus Stammkneipenqualitäten.

30. November 2005
von leser
Keine Kommentare

Landesarchiv Berlin

Das Berliner Landesarchiv vereint heute u. a. das zentrale Staatsarchiv des Landes Berlin, das Stadtarchiv Berlin (ehem. Berlin-Ost), das Büro für Stadtgeschichtliche Dokumentation und technische Dienste, das Verwaltungsarchiv des Magistrats von Berlin, die Bestände der ehemaligen Landesbildstelle, der Reichsbahndirektion und der Internationalen Bauausstellung Berlin (IBA) unter einem Dach. In Zahlen sind das etwa 37.000 laufende Meter Akten, 170.000 Karten und Pläne, 25.000 Plakate, 1 Mio Fotos, mehrere Millionen Meter AV-Materialien sowie diverse Dienstbibliotheken, die Archive der Humboldt-Universität und der Freien Universität sowie die Speicherbibliothek der Berliner Universitäten.
Als Magazin für diese Papier- Zelluloid und Magnetspurmassen dient seit 2001 ein ehemaliges Fabrikgebäude am Eichborndamm,

landesarchiv

um die Jahrhundertwende errichtet für die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), die zwischen und nach den Weltkriegen als Deutsche Waggon- und Maschinenfabrik (ebenfalls DWM) zivile Güter produzierte, so z. B. in den 60ern das schwimmfähige Auto Amphicar.
amphicar
Ein lichtdurchfluteter, großzügiger Lesesaal, ein Findmittelraum und ein spezieller Kartenlesesaal für großformatigere Positionen stehen den Nutzern zur Verfügung sowie ein Automat mit Heißgetränken zum Herunterspülen von Mitgebrachtem.
Eine Kantine gibt es nicht, aber dafür schräg gegenüber das “Dicke B”.

dickes-b
Der Name der Lokalität ist offensichtlich dem gleichnamigen Seeed-Rap entnommen, die Zeile Mama Berlin – Backsteine und Benzin bringt es auf den Punkt: Backsteingebäude Landesarchiv, Benzinmief beim Überqueren des Eichborndamms und Einkehren bei Mama, die warme Tagesgerichte nach Hausfrauenart (mit Kompott!) bereithält.
Das Lokal hat den Charakter einer Kiezkneipe, der Tresen ist umlagert von Stammkunden, die Wände voll mit Turniertabellen (Dart und Billard). Das Gespräch erstirbt aber nicht, wenn man das Dicke B als Fremder betritt, man fühlt sich willkommen und sitzt angenehm an den großen Fenstern. Frühstück gibt es auch, von “mageres B” (erweitert kontinental mit Marmelade, Wurst und Käse) bis “fettes B” mit 3(!) Buletten und 2(!) Knackern. Die Konkurrenz hat das Nachsehen, Ilona hat schon aufgegeben,

ilonas
und beim eurasischen Imbiss an der S-Bahn (Chinapfanne meets Currywurst) herscht zur besten Mittagszeit gähnende Leere.

asia

7. November 2005
von admin
Keine Kommentare

Staatsbibliothek Bamberg

Die Stabi Bamberg in der Barockresidenz der Bamberger Fürstbischöfe ist eine wissenschaftliche Regionalbibliothek und berühmt für ihre Handschriften und historischen Buchbestände. Ein Teil der im vergangenen Jahr zum Weltkulturerbe erhobenen Reichenauer Handschriften aus ottonischer Zeit ist noch bis Dezember im Rahmen der Ausstellung Herwig Zens (Wien): Graphisches Nachdenken über die Bamberger Apokalypse zu bestaunen.

apokalypse
Auch kulinarisch wird in Oberfranken bedrohtes Kulturgut bewahrt – hier ist zuallererst die Braukunst und Zapfkultur zu nennen.
In diversen Hausbrauereien hat man die Wahl zwischen zahlreichen wohltemperierten Fassbiersorten, saisonal auch Bockbier schwarz und hell sowie sogar alkoholfreies Fassbier! Eine Bamberger Spezialität ist Schlenkerla Rauchbier:

schlenkerla

Es soll schmecken, als wenn eine Knackwurst drin gelegen hätte und wurde wegen der Vielzahl attraktiver Alternativen nicht probiert.
Das typische Speisenangebot umfasst neben Brotzeit-Klassikern diverse Bratwurst-Variationen, empfehlenswert in den Monaten mit “r” ist gebackener Karpfen. Zum Schweinebraten wird meist Wirsing gereicht, der aus unerfindlichen Gründen püriert wird. Wie in vielen touristisch geprägten Städtchen ist auch hier das to-go-Imbissangebot eher mager. Wir empfehlen das Wurstfenster des “Domreiters” sowie die Leberkäsesemmel von Metzgerei Liebold.
Unser Favorit bei den Hausbrauereien: Das Klosterbräu. Man kommt schnell mit Bamberger Tischnachbarn ins Gespräch und wo bekommt man sonst schon noch saure Nierchen?

Literatur: Staatsbibliothek Bamberg. Handschriften. Buchdruck um 1500 in Bamberg. E. T. A. Hoffmann. 1990
Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Band 11, 1997, S. 127-140

10. September 2005
von admin
Keine Kommentare

Staatsbibliothek Haus I Unter den Linden

In der heißen Wahlkampfphase kommt der hungrige Leser zuweilen unverhofft zu einer Extraportion Kohlehydrate: Ecke Friedrichstraße/Linden verteilen Bündnis 90/die Grünen selbstgebackene Atomkraftwerke, bestehend aus Butterkeks, Zuckerguss, Dickmann und pappigem Waffelröllchen. Wer kann da schon Nein Danke sagen?
Im Ihnebau gab es mal eine nette Kantine, Weiterlesen →