Vorwärts! zu den schriftlichen Quellen Pommerns – mit diesem Vorsatz bestieg der leser jüngst den bereits aus München kommenden IC nach Stralsund (dem Leserhunger unterwegs widmete sich hier bereits vor mehr als 10 Jahren eine erfahrene Gastautorin). Ab Berlin wird die Strecke häufig von Bauarbeiten heimgesucht, die unverständlicherweise auch eine vorzeitige Schließung des Bordbistros bereits in Berlin zur Folge haben. Der voll besetzte Speisewagen ließ zunächst Hoffnung aufkeimen, dass der Zug dieses Mal von dieser Maßnahme verschont würde, die Fahrgäste hatten allerdings aus leidvoller Erfahrung bereits vor Erreichen der Bundeshauptstadt Kaltgetränke und eingeschweißte Snacks für die Weiterfahrt gebunkert.


Schließt man die Augen und stellt sich ein Archiv vor, kommt einem sicher ein dem Vorpommerschen Landesarchiv Greifswald sehr ähnliches Backsteingebäude in den Sinn, obwohl es sich hier um eine ehemalige Kaserne handelt.  Etwas außerhalb des Stadtrings gelegen, ist das Archiv vom Bahnhof aus gut zu Fuß zu erreichen. Man läuft durch die im wahrsten Sinne des Wortes malerische Altstadt, und absolviert auf diese Weise einige Stationen des „Caspar-David-Friedrich-Bildweges“.

Der Eingangsbereich erinnert mit Treppe, Pförtnerloge nebst Klingel, Garderobe und langen Fluren an das Staatsarchiv Poznań. Die Bestandstektonik ist wie dort vorwiegend preußisch, aber auch herzöglich-pommersch, brandenburgisch, schwedisch, mecklenburgisch sowie teil- und gesamtdeutsch auf regionaler Ebene.
Die Arbeitsbedingungen können nur als ideal bezeichnet werden: Ein modern ausgestatteter, kleiner Lesesaal, individueller, freundlicher  Service, gute Erschließung und Findmittel, jenseits von Schutzfristen kann man Dokumente selbst abfotografieren. Als einziges Desiderat wäre vielleicht WLAN zu nennen.

Ein besonderer Bonus ist die Möglichkeit, den Mittagstisch des Polizeihauptreviers mitzunutzen. Durch ein kleines Türchen (siehe erstes Bild) gelangt man auf das Nachbargrundstück, an Polizeiautos vorbei um ein paar Ecken schließlich an diese Tür. Das Tagesangebot stellte einen am Testtag vor eine schwierige Wahl: Kohlroulade, Spirelli mit Wurstgulasch oder Spinat mit Spiegelei? Die Entscheidung für Letzteres erweist sich als Volltreffer: Für jeden Gast wurden die Eier einzeln frisch gebraten!

Leider ist die Zukunft dieser Kantine ungewiss – das Gelände wird saniert, das Polizeirevier soll einen Neubau  erhalten und zieht bis zur Fertigstellung in ein Ausweichquartier. Hoffentlich öffnet das benachbarte alternative Wohnprojekt Brinke 26 e.V. für die Übergangszeit seine Suppenküche für Archivnutzer.

Falls man es nicht geschafft hat, die Recherche für eine Mittagspause zu unterbrechen, findet sich auf dem Rückweg zum Bahnhof ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Gleich um die Ecke kann man sich bei Netto mit Reiseproviant eindecken, in der Fußgängerzone lockt die Wiecker Fischbraterei und diverse Cafés, auf dem Bahnhof gibt es einen Zeitungsladen mit Imbissangebot, einen Döner und falls man noch Zeit hat die Shopping Mall „Gleis 4“. Vielleicht übt aber auch im Dom noch jemand Orgel….

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