Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Bei spektakulären Ausstellungen werden die Kapazitäten der Museumsgastronomie trotz hoher Preise und schlechter Qualität nicht selten überfordert. zumal die das Kulturhistorische Museum umgebende, architektonisch von Kriegszerstörungen, stalinistischen Parademagistralen, Landeshauptstadts-Größenwahn und Bürokomplex-Steuerabschreibungsmodellen geprägte Magdeburger City auch in kulinarischer Hinsicht als Niemandsland bezeichnet werden muss.
So auch bei der aktuellen 29. Europaratsausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation – Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters“.

ritter

Für die Massenabfütterung stehen zwei Eintöpfe auf der Karte: Kartoffelsuppe wahlweise mit oder ohne Bockwurst oder ein „Barbarossatopf“, der sich erst auf Nachfrage als Gulaschsuppe zu erkennen gibt. Nicht weniger (schweine-)fleischlastig die ambulante Kalorienversorgung:

grill

Einzige Alternative weit und breit – ein Kaffee- und Snackautomat im Foyer:

automat

Schade eigentlich, dass man so selten Kulturgenuss und gepflegte Gastlichkeit miteinander verbinden kann. Die Ausstellung ist allerdings unbedingt zu empfehlen, eine treffende Beschreibung ist in einem Chatroom zu erlauschen:

Ich kam mir vor wie William von Baskerville im Aedificium. Die Mönche müssen das auch gemerkt haben und guckten mir mißtrauisch nach. Wahrscheinlich hab ich zu gierig geguckt. Die hatten aber auch alles: die Pseudo-Isidorischen Dekretalen, witzigerweise neben einen Titus Livius „Ab urbe condita“ gestellt. Gerbert von Aurillac mit eigenhändigen Schriften, Isidor von Sevilla und Nikolaus Kues. Den Manesse Codex, Evangeliare ohne Zahl, dabei das Purpurevangelium Ottos III. In der Reichenau und in Köln müssen sie halbe Bibliotheken ausgeräumt haben. Das ging bis auf die Goldene Bulle (gleich in vier Fassungen) und den Theuerdank Maximilians I. in einer Prachtausgabe.
Ich glaube,ich muß nochmal nachts hin…

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