Tuerkischer Kaffee und Mittelmeerbrise – wie man den Besuch in der neuen Bibliotheca Alexandrina geniesst

eingesandt von: lambo
Der Monat, den ich gerade als Praktikant an der Bibliotheca Alexandrina verbringe (naeheres dazu hier), gibt mir die Gelegenheit, alle kulinarischen Gegebenheiten vor Ort auszukundschaften, auf dass hungrige Leser in Zukunft auf diese Erfahrungen zurueckgreifen koennen!
Viele werden das Pech haben, vielleicht nur einen oder zwei Tage hier zu verbringen. Die sind im Nu herum, wenn man all die interessanten Spezialbibliotheken (etwa die Taha-Hussein-Library fuer Blinde und Sehbehinderte) aufsucht oder vielleicht noch eine interessante Filmvorfuehrung in der Mediathek oder im Auditorium mitnimmt. Wer Kind ist hat hier Glueck: Die Childrens‘ Library ist eine komplett funktionale „Miniaturversion“ der „Erwachsenenbibliothek“, und zudem geniessen die Kinder einige interessante Privilegien. Sie duerfen etwa Buecher ausleihen (warum das so ist, und warum Erwachsene das nicht duerfen wurde hier zu weit fuehren…), aber auch Texte digitalisieren, ausdrucken und binden.

Ob Kind oder Erwachsener: Am Morgen eines hoffentlich langen Bibliothekstages kann, wer gern klein und kurz fruehstueckt, jedes beliebige Strassencafe aufsuchen und dort einen intensiven, sehr saemigen und – falls gewuenscht – gesuessten tuerkischen Kaffee geniessen. Neben der Wasserpfeife gehoert diese Art des Kaffees hier zu den am weitesten verbreiteten Cafeangeboten. Ist jedoch ein staerkendes Fruehstueck gefragt helfen weder die ueblichen Cafes noch die beliebten Budget-Hotels weiter. In diesem Fall wuerde ich das Cafe Trianon am Saad Zaghloul-Platz aufsuchen. (Das liegt in unmittelbarer Naehe der meisten Hotels.) Fuer umgerechnet ca. zwei Euro gibt es hier ein grosses Fruehstueck, wahlweise aber auch eine herzhafte Mahlzeit (bis zu drei Euro) und Desserts in einem der bequemen, klimatisierten, postkolonial eingerichteten Salons. Der frische Mangosaft ist sehr empfehlenswert. Wer genug Zeit zum Fruehstuecken mitbringt kann sich die Zeit mit dem Guardian, der FAZ oder einigen anderen westlichen Zeitungen vertreiben, die am Zeitungsstand auf der Hinterseite des Trianon verkauft werden.

Habe ich die Desserts erwaehnt? Die sind eine Manie hier. Wer in Kuerze viele Kalorien in Form von raffiniert verarbeiteter Schokolade zu sich nehmen moechte ist in den besseren Cafes von Alexandria gut aufgehoben.

Das Athineos, ein aehnlich aufgemachtes Cafe, vom Saad Zaghloul die Corniche herunter in Richtung der Bibliotheca, ist aehnlich eingerichtet, bietet ein sehr gutes „aegyptisches Fruehstueck“, wobei der Rest der Karte hier nur bedingt zu empfehlen ist.

Am vormittag gilt es erstmal, die Bibliotheca kennenzulernen. Neben den obligatorischen Fuehrungen fuer Touristen in verschiedenen Sprachen wuerde ich mich nach eine Fuehrung fuer gewoehnliche Bibliotheksbenutzer erkundigen. Mittags faellt der Blick dann zunaechst auf das von der Hotelkette Hilton betriebene Cafe Cino in der Bibliotheca. Auch hier gibt es den leckeren Kaffee und die vielen Desserts, und wenn es unbedingt sein muss kann man hier natuerlich auch eine warme Mahlzeit zu sich nehmen. (Preise wie im Trianon.) Wer den Blick vom Balkon des Cafes ueber das Gelaende ausreichend genossen hat wird sich allerdings fragen, ob die sterile Atmosphaere und das ein wenig einfallslose Essen wirklich der Weisheit letzter Schluss sind. Sind sie natuerlich nicht.

Wer es ueber die Corniche, also die Strasse entlang der Kueste, heil ans Wasser schafft, findet in 500 m Entfernung von der Bibliotheca ein etwas versteckt liegendes Cafe. Es befindet sich an der aeusseren (d.h. westlichen) Seite des Osthafen-Kais. Wer nichts gegen Sandameisen hat („Die wollen nur spielen!“) kann dort das Mittelmeer schnuppern, waehrend es sich in azurblauen Wellen an der Kueste bricht. Das Essen ist deutlich besser, als es die etwas provisorisch wirkende „Einrichtung“ dieses Freiluft-Cafes zunaechst befuerchten laesst.

Am Ende des Bibliothekstages kommt man, wieder an der Corniche, am mittlerweile geoeffnete Pub Mermaid vorbei. Hier wird etwas ausgeschenkt, mit dem Besucher in arabischer Laender ansonsten kaum rechnen duerfen: Alkohol. Verkauft wird er zu beinahe „westlichen Preisen“. Ich habe mich bei meinem Besuch dort fuer Heineken entschieden und war nicht enttaeuscht, aber es gibt noch zwei oder drei weitere Biermarken und sogar Hochprozentiges. Ein paar salzige Knabereien werden zum Bier gereicht, und das muss reichen, denn das Essen dort finde ich nicht so toll.

Und wo kann man sonst noch Essen gehen in Alexandria? Die Reisefuehrer verweisen zurecht auf die beiden Upper-End-Restaurants Seafood Palace und China House. Beide bieten nebem einem ausgiebigen, leckeren Menue einen fantastischen Ausblick, und in beiden bezahlt man fuer ein solches Menue den fuer hiesige Verhaeltnisse ungewoenlich hohen Preis von umgerechnet ca. 10 – 15 Euro.

Mein Geheimtipp lautet jedoch Mohammed Ahmed. Das ist die aegyptische Variante des vom Vom-Strassenwagen-Verkaeufer-zum-Imbissketten-Millionaer. Fantastisches Bohnenmus mit frischen Zutaten in einem extrem sauberen und freundlichen Imbiss, der immer unglaublich voll ist – wohlbemerkt voller Aegypter, nicht unbedingt Touristen. Zu Ramadan ist der Andrang nachts so stark, dass neben dem an sich schon weitraeumigen Imbiss gelegentlich Zelte aufgebaut werden…

So, im naechsten Beitrag wird es darum gehen, was man eigentlich macht, wenn man sich in der Bibliothek oder dem Buchladen der American University Cairo (AUC) wiederfindet, zwei Einrichtungen der besten ihrer Art im gesamten Nahen Osten, und Hunger bekommt.

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