Chlebíčky in Cheb: Staatliches Kreisarchiv Eger (Cz)

Beim archivkulinarischen Jahresrückblick 2017 nimmt das Kreisarchiv Eger (Státní okresní archiv Cheb) eine herausragende Stellung ein, zumal der Besuch Anfang Oktober diesen Jahres mit einem Jubiläum zusammenfiel: Die Archivnutzer-Pausenversorgung Nr. 1 in Cheb bzw. Eger „Mlicnak“ feierte das 50jährige Jubiläum ihres Bestehens.

Das Konzept dieser in Tschechien verbreiteten Selbstbedienungscafeterien mit außer-Haus-Verkauf verbindet landestypische, preisgünstige Bistroküche mit einem breiten Angebot an Kuchen und Süßigkeiten sowie einer Riesenauswahl in der Königsdisziplin Schnittchen (Chlebíčky) – in dieser Form eine tschechische Spezialität!

Das Archiv öffnet um 8, Mlicnak um 7, man kann also hier in Ruhe frühstücken und sich Proviant für die Mittagspause mitnehmen. Archivalien und Publikationen können bereits im Vorfeld via E-Mail in den Lesesaal bestellt werden. Die Findmittel in tschechischer Sprache sind komplett online zugänglich (Achtung: im Original deutsche Aktentitel und Betandsbildner wurden ins Tschechische übersetzt). Die sehr kundigen und freundlichen Mitarbeiter helfen gern bei der Ermittlung für das jeweilige Forschungsthema relevanten Materials, auch Nachbestellungen werden zeitnah realisiert.

Das Fotografieren von Dokumenten ist in tschechischen Archiven schon länger gestattet, bereits 2013 waren wir in Litoměřice sehr dankbar für diese nutzerfreundliche Regelung, die auch in Polen längst Standard ist. Die Entscheidung, ob die Reproduktion einer Seite die teils hohen Gebühren inhaltlich rechtfertigt, kostet viel Zeit – vor allem bei schwer entzifferbaren, handschriftlichen Dokumenten. Das Ausfüllen von Kopieraufträgen und die Markierung von Seiten ist ein lästiges Geduldsspiel.

Die Bereitstellung der Reproduktionen ist darüber hinaus, vor allem in Archiven in Deutschland, nicht selten mit einer erheblichen Wartezeit verbunden. Gerade auch auf Archivreisen kann es sehr sinnvoll sein, das Abfotografierte direkt nach dem Archivbesuch auf mögliche Bezüge zu anderen Quellen zu untersuchen um diese dann ggf. am nächsten Tag  noch vor Ort einsehen zu können. Der Archivbesuch lässt sich so besser planen, man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und der Druck, alles innerhalb der Öffnungszeiten im Archiv erledigen zu müssen, lässt spürbar nach.

Das schafft Freiraum für Pausen – zum Denken, Abschalten, frische Luft schnappen und/oder Rauchen, die Umgebung des Archivs erkunden. Man kann in einem der zahlreichen Cafes der Altstadt einen Kaffee trinken, im U krále Jiřího ein Mittagsmenü oder die ausgezeichnete Rinderbrühe (Hovězí vývar s nudlemi) mit hausgemachten Nudeln einnehmen. Sogar ein Besuch des Muzeum Cheb ließe sich in einer verlängerten Mittagspause realisieren. Laut Auskunft des Museumspersonals nimmt ein Rundgang durch die Dauerausstellung lediglich 40 Minuten in Anspruch. Für den an regional- und lokalgeschichtlichen Themen rund um das Egerland und das traditionsreiche Bäderdreieck zwischen Franzens- Marien- und Karlsbad Interessierten wäre dies zur Ergänzung des Aktenstudiums ausdrücklich zu empfehlen. 

Wenn man schon einmal an der Quelle – also in der Region Plzeň bzw. Pilsen – unterwegs ist, sollte man diese auf keinen Fall verlassen, ohne ein  Feierabendbier vom Fass genossen zu haben. Letzte Gelegenheit dazu gibt es – zu einem unschlagbaren Preis, gut gekühlt und frisch gezapft – im Bufet am Hauptbahnhof. Eine günstige und leckere warme Mahlzeit kann man dort auf die Schnelle auch bekommen (der gelb gerahmte Eingang links).

Geheimtipp für Leserhunger-Leser: Dieser Beitrag enthält einen Hinweis zur Lösung unseres aktuellen Adventsrätsels –> „Kanaldeckel-Heraldik“!

 

Eins-Zwei-Polizei im Landesarchiv Greifswald

Vorwärts! zu den schriftlichen Quellen Pommerns – mit diesem Vorsatz bestieg der leser jüngst den bereits aus München kommenden IC nach Stralsund (dem Leserhunger unterwegs widmete sich hier bereits vor mehr als 10 Jahren eine erfahrene Gastautorin). Ab Berlin wird die Strecke häufig von Bauarbeiten heimgesucht, die unverständlicherweise auch eine vorzeitige Schließung des Bordbistros bereits in Berlin zur Folge haben. Der voll besetzte Speisewagen ließ zunächst Hoffnung aufkeimen, dass der Zug dieses Mal von dieser Maßnahme verschont würde, die Fahrgäste hatten allerdings aus leidvoller Erfahrung bereits vor Erreichen der Bundeshauptstadt Kaltgetränke und eingeschweißte Snacks für die Weiterfahrt gebunkert.


Schließt man die Augen und stellt sich ein Archiv vor, kommt einem sicher ein dem Vorpommerschen Landesarchiv Greifswald sehr ähnliches Backsteingebäude in den Sinn, obwohl es sich hier um eine ehemalige Kaserne handelt.  Etwas außerhalb des Stadtrings gelegen, ist das Archiv vom Bahnhof aus gut zu Fuß zu erreichen. Man läuft durch die im wahrsten Sinne des Wortes malerische Altstadt, und absolviert auf diese Weise einige Stationen des „Caspar-David-Friedrich-Bildweges“.

Der Eingangsbereich erinnert mit Treppe, Pförtnerloge nebst Klingel, Garderobe und langen Fluren an das Staatsarchiv Poznań. Die Bestandstektonik ist wie dort vorwiegend preußisch, aber auch herzöglich-pommersch, brandenburgisch, schwedisch, mecklenburgisch sowie teil- und gesamtdeutsch auf regionaler Ebene.
Die Arbeitsbedingungen können nur als ideal bezeichnet werden: Ein modern ausgestatteter, kleiner Lesesaal, individueller, freundlicher  Service, gute Erschließung und Findmittel, jenseits von Schutzfristen kann man Dokumente selbst abfotografieren. Als einziges Desiderat wäre vielleicht WLAN zu nennen.

Ein besonderer Bonus ist die Möglichkeit, den Mittagstisch des Polizeihauptreviers mitzunutzen. Durch ein kleines Türchen (siehe erstes Bild) gelangt man auf das Nachbargrundstück, an Polizeiautos vorbei um ein paar Ecken schließlich an diese Tür. Das Tagesangebot stellte einen am Testtag vor eine schwierige Wahl: Kohlroulade, Spirelli mit Wurstgulasch oder Spinat mit Spiegelei? Die Entscheidung für Letzteres erweist sich als Volltreffer: Für jeden Gast wurden die Eier einzeln frisch gebraten!

Leider ist die Zukunft dieser Kantine ungewiss – das Gelände wird saniert, das Polizeirevier soll einen Neubau  erhalten und zieht bis zur Fertigstellung in ein Ausweichquartier. Hoffentlich öffnet das benachbarte alternative Wohnprojekt Brinke 26 e.V. für die Übergangszeit seine Suppenküche für Archivnutzer.

Falls man es nicht geschafft hat, die Recherche für eine Mittagspause zu unterbrechen, findet sich auf dem Rückweg zum Bahnhof ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Gleich um die Ecke kann man sich bei Netto mit Reiseproviant eindecken, in der Fußgängerzone lockt die Wiecker Fischbraterei und diverse Cafés, auf dem Bahnhof gibt es einen Zeitungsladen mit Imbissangebot, einen Döner und falls man noch Zeit hat die Shopping Mall „Gleis 4“. Vielleicht übt aber auch im Dom noch jemand Orgel….

Landesarchiv Berlin revisited

Über das gastronomische Umfeld des Landesarchivs am Eichborndamm wurde an dieser Stelle zwar bereits ausführlich berichtet, seit 2005 hat sich hier allerdings einiges verändert.
Darüber hinaus wird das Archiv künftig auf noch größeres Interesse stoßen, da sukzessive die historischen Personenstandsunterlagen der Berliner Standesämter hier zentral zur Nutzung bereitgestellt werden.
Im Archiv selbst gibt es wie gehabt einen Kaffeautomaten, Getränke- und Snackautomaten, am Informationstresen liegen die aktuellen Speisepläne zweier Kantinen aus, die zu Fuß zu erreichen sind. Etwa 700m den Eichborndamm hinauf sind es bis zur Deutschen Dienststelle (WASt, Wehrmachtauskunftstelle). Wie im Bundesarchiv bekommt man beim Pförtner ein Schild zum Anstecken,

kann so dekoriert das eine oder andere freundliche „Mahlzeit“ auf den Gängen erwidern und sich dann mit den dortigen Mitarbeitern in die Essensschlange einreihen. Es gibt sogar einen Freisitz, „Landesarchiv Berlin revisited“ weiterlesen

Magenknurren in Alesia



Am Rande von Venarey-les Laumes, inmitten burgundischer Hügellandschaft, direkt neben dem örtlichen Super U, ist im vergangenen Frühjahr ein Ufo gelandet!

Ziel der Invasion war vermutlich die Demonstration kosmischer Überlegenheit: Mit Hilfe von Luftbildern, Caesars uns allen aus Latinum-Vorbereitungskursen bestens bekannter Schrift „De bello Gallico“, diverser Asterixhefte sowie auf den Vorarbeiten von Napoleon III aufbauender Ausgrabungen gelang es den Extraterrestrischen, den in der irdischen Forschung heftig umstrittenen Schauplatz der  Entscheidungsschlacht zwischen dem römischen Feldherrn und den unter Führung des Vercingetorix verbündeten Gallierstämmen im Jahre 52 v. Chr. zu lokalisieren. „Magenknurren in Alesia“ weiterlesen

Internationaler Suchdienst (ITS) Bad Arolsen

Bis 1929 Kultur- und Verwaltungszentrum von Grafschaft, Fürstentum und Freistaaat Waldeck-Pyrmont, überlässt Bad Arolsen heute Korbach die Administration des nordwesthessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg. Emma zu Waldeck und Pyrmont, die wohl populärste Queen-Mum der niederländischen Geschichte, wurde hier geboren, ebenso wie der in Berlin mit vielen seiner Werke vertretene Bildhauer Christian Daniel Rauch. Der 9. Grad östlicher Länge von Greenwich verläuft durch die Stadt, seit 1994 genießt Arolsen den Status eines Heilbades. Das Tourismusmarketing setzt heute weniger auf Historie als auf Wellness, das um die Fürstenresidenz herum angelegte Barockensemble lädt zum Flanieren ein.

Kartengrüße aus Bad Arolsen

Überregional und international wird der Name der Stadt vor allem mit dem Internationalen Suchdienst in Verbindung gebracht. Diese gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von verschiedenen alliierten bzw. internationalen Organisationen und Konsortiem initiierte Einrichtung beschäftigte sich zunächst  „Internationaler Suchdienst (ITS) Bad Arolsen“ weiterlesen

Stadtarchiv Speyer

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Die Bestände des Stadtarchivs Speyer gehen zurück bis in das 12. Jahrhundert. Das Archiv ist somit eines der traditionsreichsten und schon im Mittelalter gut belegten Kommunalarchive der Pfalz. Dass sich das Stadtarchiv bei aller Tradition den neuen Medien nicht verschließt, sei nur am Rande bemerkt: Das Archiv betreibt als eines von noch wenigen deutschen Archiven Auftritte auf Facebook, Twitter usw.
Doch jetzt einige Tipps für die obligatorischen Benutzer-Pausen, zusammengestellt von unseren Mitarbeitern Julian Weiler und Elisabeth Steiger: „Stadtarchiv Speyer“ weiterlesen