Leserhunger

kulinarischer Führer durch Bibliotheken, Archive, Museen weltweit

13. Dezember 2011
von admin
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Internationaler Suchdienst (ITS) Bad Arolsen

Bis 1929 Kultur- und Verwaltungszentrum von Grafschaft, Fürstentum und Freistaaat Waldeck-Pyrmont, überlässt Bad Arolsen heute Korbach die Administration des nordwesthessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg. Emma zu Waldeck und Pyrmont, die wohl populärste Queen-Mum der niederländischen Geschichte, wurde hier geboren, ebenso wie der in Berlin mit vielen seiner Werke vertretene Bildhauer Christian Daniel Rauch. Der 9. Grad östlicher Länge von Greenwich verläuft durch die Stadt, seit 1994 genießt Arolsen den Status eines Heilbades. Das Tourismusmarketing setzt heute weniger auf Historie als auf Wellness, das um die Fürstenresidenz herum angelegte Barockensemble lädt zum Flanieren ein.

Kartengrüße aus Bad Arolsen

Überregional und international wird der Name der Stadt vor allem mit dem Internationalen Suchdienst in Verbindung gebracht. Diese gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von verschiedenen alliierten bzw. internationalen Organisationen und Konsortiem initiierte Einrichtung beschäftigte sich zunächst mit der Suche nach vermissten Personen. Für die große Zahl von aus NS-Lagern befreiten Inhaftierten, ehemaligen Zwangsarbeitern und Flüchtlingen, sog. “Displaced Persons”,  musste die Unterbringung, die Rückführung in ihre Heimatländer oder die Emigration in meist außereuropäische Länder koordiniert werden. Der Standort des Suchbüros  folgt der Front von London nach Versailles und Frankfurt/Main. Wegen der günstigen Lage zu den vier Besatzungszonen und einer von Kriegszerstörungen weitgehend verschonten Infrastruktur wird Bad Arolsen 1946 zum Sitz des ITS.

ISD = Internationaler Suchdienst, ITS = International Tracing Service

Seine Aufgaben entwickeln sich zunehmend in Richtung Sammlung und Erschließung von Informationen und Dokumenten über zivile NS-Opfer sowie Auskunftserteilung an Überlebende und Angehörige. Seit der Öffnung des Archivs 2007 engagiert sich der ITS  auch auf den Gebieten Forschung, Information und Bildung mit eigenen Projekten, Ausstellungen, Tagungen und gedenkstättenpädagogischen Angeboten. Das Archiv umfasst derzeit ca. 30 Mill. Dokumente und wächst weiter durch Korrespondenz mit Überlebenden und Angehörigen von NS-Opfern oder mit anderen Institutionen.

Die zentrale Namenkartei des ITS-Archivs

Einen Sucheinstieg bietet die zentrale Namenkartei mit über 50 Millionen Hinweisen zu über 17,5 Millionen Personen, ebenso kann nach Ort/Region oder Bestand (z.B. einzelne Lager) recherchiert werden. Die Dokumente sind digitalisiert und können im Lesesaal direkt an den Recherche-PCs aufgerufen als Kopie abgespeichert werden.
Mit dem Wegfall der Wartezeit auf die Aktenlieferung entfällt natürlich DER klassische Anlass für die Kaffepause. Im Haus soll es eine Kantine geben, möglicherweise ist diese auch für Archivnutzer zugänglich. (?) Die Innenstadt lockt mit gastronomischen Angeboten, zahlreiche Geschäfte knüpfen mit dem Attribut “Schloss-” “Residenz-” oder “Hof-” an vergangene Bedeutung an. Sogar ein Hofbrauhaus gibt es, wo neben Arolser Pils und Alt Waldecker Dunkel saisonal auch Bockbier gezapft wird.

Schausiedefenster im Hofbrauhaus

Das Studium der Speisekarten-Aushänge lässt keine Schlüsse auf regionaltypische Gerichte zu. Vielleicht sollte man den örtlichen Gastronomen die Lektüre der Faksimileausgabe des Waldeckschen Kochbuchs von 1932 empfehlen,

Verlagsanzeige Waldecksches Kochbuch

herausgegeben vom Waldecker Landesfrauenverein und hergestellt mit Original-Druckbogen der früheren fürstlichen Hofdruckerei Carl Loewie, Arolsen.
Bei Fleischer Köhler-Renner gibt es Tagesangebote wie z.B. Sauerbraten (roch sehr gut) und die auf dem Foto angekündigte “Lasagne Metzger Art”. Die Fleischerei beliefert auch den örtlichen REWE-Supermarkt, wo sich günstig und zeitsparend ein Lunchpaket zusammenstellen lässt.

Tagesgerichte bei Fleischerei Köhler-Renner

Im Cafe Prinzess Emma - benannt nach der oben bereits erwähnten größten Tochter der Stadt – kann man gemütlich sitzen und hausgemachten Kuchen in guter Qualität probieren. Unweit von den ITS-Standorten gelegen eine gute Adresse für eine kurze Pausen-Einkehr.

Freisitz des Cafe Emma

Zwischen Hofgarten und Kirchplatz gibt es weitere Restaurants mit deutscher und internationaler Küche, für den kleinen Hunger zwischendurch tut es vielleicht auch ein Quarkriegel (сырок) aus dem russischen Laden Kalina in der Bahnhofsstraße.

Kalina - Russische Spezialitäten

Apropos Bahnhof: Dort verkehren Züge der Kurhessenbahn in Richtung Korbach und Kassel-Wilhelmshöhe. Es gibt einen Imbiss und ein portugiesisches Kulturzentrum, wo aber vermutlich weniger iberische Kulinaria als die Fankultur des FC Porto gepflegt wird.

Portugiesisches Kulturzentrum auf dem Arolser Bahnhof



1. September 2011
von Stadtarchiv Speyer
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Stadtarchiv Speyer

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Die Bestände des Stadtarchivs Speyer gehen zurück bis in das 12. Jahrhundert. Das Archiv ist somit eines der traditionsreichsten und schon im Mittelalter gut belegten Kommunalarchive der Pfalz. Dass sich das Stadtarchiv bei aller Tradition den neuen Medien nicht verschließt, sei nur am Rande bemerkt: Das Archiv betreibt als eines von noch wenigen deutschen Archiven Auftritte auf Facebook, Twitter usw.
Doch jetzt einige Tipps für die obligatorischen Benutzer-Pausen, zusammengestellt von unseren Mitarbeitern Julian Weiler und Elisabeth Steiger: Weiterlesen →

2. März 2011
von leser
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Bibliothek des Zentrums für Antisemitismusforschung

hochkantEin Alleinbesitz-Treffer im KOBV führt hoch hinaus, in die 9. Etage des denkmalgeschützten Telefunken-Hochhauses, das sich heute diverse Institute der TU sowie An-Institute von Telekom und Daimler teilen.
Mit dem Aufzug geht es nach oben. Man bekommt gegen ein Pfand einen Schlüssel für ein Schließfach, trägt sich in ein Nutzerbuch ein – kein Problem, den TU-Bibliotheksausweis zu Hause vergessen zu haben. Auch zum Kopieren ist es nicht erforderlich, die ohnehin schon stattliche Kopierkarten-Sammlung um ein weiteres Plastikkärtchen zu bereichern – es wird bar bezahlt.
Der Bestand der kleinen Bibliothek orientiert sich am thematischen Profil des Instituts – laut Selbstdarstellung auf der Homepage Forschung und Lehre über Vorurteile und ihre Folgen. Das klingt zunächst transdisziplinär-theorielastig, den breitesten Raum nehmen allerdings klassische Regionalstudien zur deutsch-jüdischen Geschichte ein. Hier finden sich viele in Deutschland sonst selten verfügbare Titel und graue Literatur in selbsterklärender Freihandaufstellung. Die Leseplätze befinden sich bereits weit über der berlinüblichen Traufhöhe Weiterlesen →

24. Januar 2011
von leser
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Camelford Library

Eine freundliche Nachfrage am Ausleihtresen der Stabi West gab den Anstoß, auf der Suche nach Blogbarem die Bibliotheksbesuche der letzten Monate Revue passieren zu lassen. Die Zeitreise, vorbei an den “üblichen verdächtigen” hier bereits besprochenen Häusern stoppt im letzten Sommer, in der nordsüdwestenglischen Provinz, im Städtchen Camelford.

Wegen der immer lückenloseren Netzanbindung der einheimischen Bevölkerung sind Internetcafes abseits touristischer Hauptrouten immer seltener anzutreffen. Weiterlesen →

21. März 2010
von leser
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Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist eine Publikumsmesse. Hier werden also nicht nur Bücher, Autoren und Verlage vermarktet, sondern auch deren Zielgruppe – die Leser – strömen zahlreich auf das Messegelände auf dem Areal des alten Mockauer Flughafens, zum Stöbern und zum Besuch der zahlreichen Literaturveranstaltungen, die hier und anderswo im Rahmen des Festivals “Leipzig liest” stattfinden.
Sehen und gesehen werden ist ein wichtiger Aspekt des Messerummels. Seit dem Manga-Hype ist die gläserne Eingangshalle zu einem Catwalk für Cosplayer geworden. Die Gothic-Szene belagert die Stände der Weiterlesen →

11. März 2010
von leser
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Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

Die Asbestreinigung eines Magazins in der Stabi-West erfordert derzeit die Ausweitung des Literaturbeschaffungs-Reviers. Heute führt die Suche im Verbundkatalog nach einem verfügbaren Exemplar des vorübergehend unzugänglichen Titels in die UB der FU in der Dahlemer Garystraße.
Die Jagdinstinkte werden angeheizt durch die Rauminstallation “The Black Forrest oder der Medienwald” – Teil der aktuellen Ausstellung “Bücherwelten” des Künstlers Wolfgang Nieblich im Foyer des Bibliotheks-Hauptgebäudes.

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Von dort aus geht es direkt in die Katakomben Weiterlesen →

10. März 2008
von admin
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Bibliothek und Archiv für Bildungsgeschichtliche Forschung

Die größte bildungsgeschichtliche Spezialbibliothek Deutschlands ist verkehrsgünstig gelegen – unmittelbar an S- und U-Bahnhof Warschauer Straße unweit des Berliner Ostbahnhofs an der Grenze der Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg

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Vorgängerinstitutionen wie Deutsches Schulmuseum, Deutsche Lehrerbücherei. Pädagogische Zentralbibliothek der DDR begründen eine nunmehr fast 130jährige Tradition.

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Neben einem umfangreichen Bestand an Monographien, Zeitschriften, Schulprogrammen und Jahresberichten, einem Archiv mit Nachlässen von Pädagogen wie Friedrich Fröbel, Adolph Diesterweg, Berthold Otto und Adolf Reichwein sind vor allem die Onlineangebote der Bibliothek bemerkenswert. Aber auch die analogen Dienstleistungen lassen wenig zu wünschen übrig mit Lieferzeiten aus dem Magazin von wenigen Minuten, großem Freihandbestand und eigenem Aufsatzlieferdienst.
Dank gleich mehrfacher Bahnhofsnähe ist das Imbissangebot besonders vielgestaltig. Am bekanntesten ist wohl die Kantine von Universal Music.

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Spreeblick und Coolnessfaktor ziehen viel Volk aus der Kreativbranche an. Um in der Mittagspause zu entspannen, z.B. die ausliegende Tagespresse zu lesen, ist es ein bisschen zu voll. Allerdings gibt es hier die wohl schönsten Outdoor-Raucherplätze auf dem Spreesteg, wo im Sommer auch Liegestühle stehen sollen.
Die Gerichte liegen preislich und qualitativ etwas über sonstigem Kantinenniveau – haben aber alle Nachteile, die lange warmgehaltenes Essen eben so hat. Da kann ein Döner z.B. vom Bagdad-Grill am Schlesischen Tor oder die Tagessuppe mit Dessert in der Coffee Bar in der Rotherstraße die klügere Wahl sein.

26. März 2007
von leser
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Evangelisches Zentralarchiv

Das kirchliche Archivzentrum auf dem Gelände von St. Thomas am Bethaniendamm ist eine wichtige Forschungsstätte für Kirchengeschichte und Familienforschung. Das Archivzentrum beherbergt das Archiv des Berliner Missionswerks, das katholische Diözesanarchiv Berlin, das Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und das Evangelische Zentralarchiv.
Mehr als dreißig Regalkilometer Akten, Architekturzeichnungen zur Kirchenbaugeschichte, Quellen zur Missionsarbeit in Asien und Afrika und mehr als 30.000 Kirchenbücher evangelischer Gemeinden in Berlin und Brandenburg sowie den historischen deutschen Ostgebieten werden hier verwahrt. Die Bibliothek des Archivzentrums vereint die Bestände der Vorgängereinrichtungen der EKD (Reichskirchenbibliothek), des Ökumenischen Archivs, des Kirchlichen Außenamts. der Archive für die Geschichte des Kirchenkampfs, der Evangelischen Kirche der Union (EKU), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie die Gemeinsame Bibliothek des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und der Evangelischen Kirche der Union – Bereich DDR.
In der 5. Etage des Neubaus befindet sich der schöne, helle Lesesaal mit Mikrofiche-Lesegeräten auf mehreren Ebenen und einer kleinen Handbibliothek, Es gibt Zugang zum Internet und zum lokalen Allegro-Katalog der Bibliothek.

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Wenn die Morgenandacht vorbei ist und keine Veranstaltung stattfindet, kann der Tagungsraum im Erdgeschoss zum Verzehr von Mitgebrachtem genutzt werden. Es gibt eine vollständige Küchenausstattung mit Spüle, Herd und Mikrowelle, Kaffee (fair gehandelt), Tee und Kaltgetränke stehen den Archivnutzern gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung.

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In der unmittelbaren Umgebung des Archivs gibt es kaum lohnende Ziele für den hungrigen Leser. Ein wie ein Kreuzberger Ökologieprojekt anmutendes Bauwerk lässt keinerlei Rückschlüsse auf gastromomische Bewirtschaftung zu. An einem Schild ist eine Telefonnummer angegeben, aber es bleibt unklar, warum man dort anrufen sollte. Das Geheimnis wird gelüftet durch den jüngst erschienenen Artikel “Der Kreuzberger Guerrilla-Garten (F.A.S. vom 18.3.2007): es handelt sich um einen 1983 von einem türkischen Rentner auf einer an der Westseite der Mauer gelegenen, aber zum Staatsgebiet der DDR gehörigen Parzelle angelegten und daher von Ost- und Westberliner Behörden geduldeten Schrebergarten mit einstöckiger Laube.

baumhaus

Heute bildet der Garten gewissermaßen den Grünstreifen auf dem stark befahrenen Bethaniendamm und wird auch gegenwärtig wegen Kompetenzstreitigkeiten der angrenzenden Stadtbezirke geduldet.
Ein paar Schritte weiter gibt es eine Wagenburg, die aber leider keine Volksküche betreibt, zumindest wirkte das Areal zu mittäglicher Stunde verlassen und es waren beim besten Willen keine Küchengerüche auszumachen.

wagenburg